Wie das Karuszel zu seinem Namen kam

In den Räumen der alten Molkerei Ulrichstein trafen sich am 19. März 2000 ca. dreißig Kulturinteressierte um den Verein Karuszel-Gebirgskulturen aus der Taufe zu heben. Dort, wo früher Quark und Käse hergestellt wurde, diskutierte man nun über Kunst, Kultur und Kommerz. Die zwanzig Gründungsmitglieder kamen aus allen Teilen des Vogelsberges und hatten sehr unterschiedliche Interessen.

In einem waren sie sich einig: sie wollten einem nicht eingeengtem und vorgefertigtem Begriff von Kultur Raum geben. Der Bogen spannt sich dabei von historisch und sammlerisch Tätigen, über Philosophie- und an Fachwerk Interessierte zu experimentell-chaotischen Fraktionen. Ein buntes Kaleidoskop von Konzerten, Performances, Lesungen, Ausstellungen, Veröffentlichungen und sonstigen Aktionen in den ersten Jahren bestätigt den Bedarf und die Beständigkeit dieses offenen Konzeptes: dabei ergänzen und befruchten sich die verschiedenen Interessen hervorragend. Das gibt dem Vorstand des Vereins Mut und er freut sich auf weitere innovative und interessante Projekte rund um den Vogelsberg.

Karuszel ­ein Begriff, der kreisende und schwingende Bewegung assoziiert. Dem allerorten vorkommenden Bild des längst erloschenen und toten Vulkans soll Lebendiges und Dynamisches entgegengesetzt werden; ein Bild das die Energien rund um den Vogelsberg nicht nach unten fließen lässt, sondern kreisförmig auffängt und neu zusammenmischt. Der Verein will Menschen ansprechen, die in einem kreativen und spannungsreichen Austausch an der Gestaltung von Kulturoasen im Vogelsberg beteiligt sein wollen. Eine solche regelmäßige Oase ist z.B. der Stammtisch. Seit Jahren treffen sich Einheimische und Zugereiste an jedem ersten Freitag eines Monats an wechselnden Orten, in möglichst zünftigen Gaststätten des Vogelsberges. Die Kultur und Architektur im Vogelsberg und seinen Randgebieten, die Pflege und Dokumentation des kulturellen Erbes der Region sind Themen des geselligen, offenen und öffentlichen Gesprächskreises, der mit einem kulturellen Glanzpunkt beginnt. Oder die Beiträge und Stände des Vereins beim sommerlichen Mühlenfest in Stumpertenrod, das jedes Jahr mehr als 5000 Leute anlockt. Das Projekt Fotografie und Literatur regt Bild-Literatur-Assoziationen an. Mit atmosphärisch und zugleich assoziativ-offenen Bildern wird die Lesefreude und das Gespräch über Literatur angeregt. Seit 2008 führt die Fahrt in einem 60 Jahre alten Schweizer Postbus mit zahlreichen außergewöhnlichen Stationen über die Dörfer des Vogelsberges. Die Tour verbindet alte, neue und unbekannte Orte in der Vogelsberglandschaft und setzt sinnlich die geplante stärkere Vernetzung der oberhessischen Museen in Szene.

Auffallend bei der Betrachtung der Vereinsentwicklung ist die tatsächliche karusselartige Bewegung seiner Veranstaltungen: Feldatal, Ulrichstein, Alsfeld, Schlitz. Herbstein, Bermuthshain und Mücke beschreiben nur einige Stationen dieser Reise rund um die Hochachse des Hoherodskopfes. An den jeweiligen Haltepunkten des Kulturkreisels werden Gäste und Besucher aus weiter entfernten Landesteilen auf einen Streifzug eingeladen.

Der Begriff Ka ru s zel ist aus den Anfangsbuchstaben der Molkerei-Besitzer zusammengesetzt. Im Übrigen ist es die ungarische Schreibweise für Karussell.